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Nürnberger Zeitung

Shakespeares Sonette

Der Tanz zwischen Mensch und Maschine

Sogar Treppenplätze mussten in Erlangen vergeben werden, so groß war stellenweise der Andrang: Am Wochenende startete im Großraum das 19. Internationale Figurentheaterfestival, das noch bis 17. Mai läuft. Erste Eindrücke aus einem rundum prallen Programm.

Vor 400 Jahren, zu Shakespeares Zeiten, sah frau offenbar schon mit 40 Jahren steinalt aus: „Furchen durchziehen der Schönheit Flur“, wie es im Sonett Nummer 2 heißt, und die Augen sind „eingesunken“. Nur wer ein eigenes jugendfrisches Kind vorweisen könne, vermöge dem Fluch des Alters entkommen.

Die berühmten Gedichte des englischen Meisters sind also – zumindest teilweise – zeitlos aktuell. Dennoch ist es kühn, sie als Figurentheater auf die Bühne zu bringen. Das Puppentheater Halle hat es zum Auftakt des Festivals in der Nürnberger Tafelhalle gewagt, unterstützt von der Gruppe Nico and the Navigators: Auf jeden Fall keine ergeben Verbeugung vor dem übergroßen Shakespeare, ein Akteur berichtet gar von einer halbseitigen Lähmung beim Lesen von dessen „unverständlichen, nebeligen und hoppelnden Sonetten“.

Nicht selten unverständlich sind die vielbewunderten, vielübersetzten Kleinode in der deutschen Fassung durchaus. Das liegt aber an der relativen Ausdrucksarmut unserer Sprache im Vergleich mit dem Englischen. Die Co-Produktion aus Halle liefert daher die Original-Versionen mit, brillant gesprochen und gespielt von dem britischen Komiker Adrian Gillott.

Doch auch die deutschen Darsteller Nils Dreschke und Sebastian Fortak sind bei der optischen, szenischen Lyrik-Umsetzung nicht zu verachten. Und Steffi König, ebenfalls eine vorzügliche Puppenspielerin, erinnert mit mächtigem Gesang an Nina Hagen. Das Ein-Mann-Orchester Sebastian Herzfeld treibt die altehrwürdigen Sonette mit moderner, aber kongenialer Musik voran: ein kleines multimediales Ereignis mit fantastischen Einfällen, geboren aus ganz einfachen Mitteln – beispielsweise lockeren Parkett-Brettern...

Hans-Peter Klatt, 11.05.2015

 

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