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Mitteldeutsche Zeitung

Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten

Die Stunde der Einsamkeit

Das Theaterensemble Nico and the Navigators zeigt im Radialsystem in Berlin eine furiose Großstadt-Collage: „Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten“.

Es ist ein beständiges, wiederkehrendes Kommen und Gehen, Tanzen, Laufen und Stürzen. Es wird wunderschön gesungen und viel geschwiegen. Große Dialog-Gewitter sind nie das Markenzeichen von Nico and the Navigators gewesen. Das hat seinerzeit, als Nicola Hümpel und Oliver Proske 1998 das Ensemble (oder besser: die Idee eines Ensembles mit wechselnder Besetzung) am Bauhaus Dessau gründeten, einige Zuschauer in Erstaunen versetzt - und viele auf der Stelle begeistert.

Ein solches Theater, wie Nico and the Navigators es anboten, hatte man noch nicht so oft gesehen - eine Mischung aus Schauspiel, Pantomime und Ballett, die Alltagssituationen mikroskopisch genau festhält und den Moment durch die Beobachtung zur Kunst erhebt.

Die Regisseurin Nicola Hümpel und der Bühnenbildner Oliver Proske stehen den Navigators immer noch vor, die ehemalige Dessauer Studententruppe hat sich längst etabliert, auch international.

Nun zeigt sie im Radialsystem in der Berliner Holzmarktstraße, gegenüber dem Ostbahnhof an der Spree gelegen, die Produktion „Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten“, eine offensichtliche und liebevolle Anspielung auf Peter Handkes 1992 uraufgeführtes Stück „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“. Zuvor waren Nico and the Navigators mit ihrem neuen Werk schon in Hamburg angetreten.

Was bei Handke mit großem Personal über die Bühne geht, leisten hier acht Darstellerinnen und Darsteller - allein das ist schon eine staunenswerte Leistung. Zumal das Tempo fast durchgängig hoch ist während der 90 Minuten, die das Spiel dauert - und die Damen und Herren sich dabei auch noch unaufhörlich umziehen müssen. Dies nur, um wenig später wieder in einen der früheren Charaktere zu schlüpfen.

Die Inszenierung ist spiegelbildlich um eine gedachte Mitte gebaut, man könnte die Idee auch als ironische Illustration eines inflationär gebrauchten Gemeinplatzes verstehen: Man trifft sich im Leben immer zwei Mal.

Was aber geschieht, wenn Frauen und Männer, Fremde zumeist, einander begegnen, aufeinanderprallen oder aneinander vorbeirasen? Alles ist flüchtig, es muss schnell gehen - und manches geht gar nicht mehr. So bemerkt ein Mann die Bemühungen seiner Partnerin um Zärtlichkeit offenbar gar nicht mehr. Oder er will sie nicht bemerken, weil zu lange zu viel Kälte zwischen ihnen war.

Ein anderer Mann entdeckt das vermeintliche Glück mit einer täuschend menschenähnlichen Puppe, die aber plötzlich ein Eigenleben gewinnt und ihrem zuvor frohlockenden Besitzer Angst einjagt. Eine Frau wiederum, die einer anderen begegnet, die entkräftet zusammengebrochen ist, überlegt sehr lange, ob sie der Schwachen ihr Sandwich geben soll. Sie tut es schließlich und entfernt sich dann rasch, als hätte sie nicht Gutes, sondern etwas Unerlaubtes getan.

Es ist eine funkelnde, oft komische, manchmal tief traurige Collage des Lebens in unserer selbstverschuldeten Verständnislosigkeit.


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Andreas Montag, 29.05.2015

 

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