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El Mundo

Eggs on Earth

Auf der Suche nach Mr. Fock

Figuren begeben sich auf die Suche nach ihrem Urheber, einem gewissen Mr. Fock – ein klangliches Zusammenspiel aus fuck (vögeln) und God (Gott) , der, so scheint es jedenfalls, das Regiment führt, der Präsident des Unternehmens, von dem alles abhängt. Von da an verflechtet kein anderer Erzählstrang das ein einviertel Stunde lang dauernde Stück Eggs on Earth, das Nico and the Navigators im kleinen und experimentellen Saal B des Teatro Central in Sevilla am Freitag und Samstag aufführte.

Mehr Erzählen brauchte es nicht, denn Nico and the Navigators legen mehr Wert darauf, eine Erfahrung wiederzugeben, Surreales und Verdecktes auszukund-schaften, als eine Bedeutung zu schaffen.

Das außerdem bereits im Alhambra - Saal in Granada aufgeführte Stück Eggs on Earth besteht aus einer Reihe besonders kinetischer und außerordentlich poetischer Drucke und Gemälde, die von großen Gesten leben, davon, ein neuer Hybrid zu sein zwischen theatralischer und tänzerischer Darstellung, von der richtigen Priese Akrobatik, von plastischer Architektur und einem äußerst raffinierten, erlesenen und eklektischen Klanghintergrund – mit Musik von Janis Joplin bis Rachmaninow- woraus nach und nach Eindrücke erwachsen und Angstzustände sowie Lachen im Kontext dessen hervorgerufen werden, was den gordischen Knoten der Aufführung bildet: Irrsinn, unpersönliche und den Arbeiter verdinglichende Bedingungen sowie Kommunikationsmangel innerhalb eines Arbeiterdaseins, das die Schauspieler ohne Umschweife zum Ausdruck bringen. Dem Zuschauer treten sie mit eindrucksvoller Gestik und Isolierung entgegen.

Solche Alibis können auch überflüssig sein, wie wir glücklicherweise im Central in Sevilla erleben konnten. Eggs on Earth kann mit seinen großen Auf und Abs zwischen Wunderbarem und Versagen wie ein Großteil des modernen Theaters einfach konsumiert werden. So, als setze man sich einen Schuss in ein wunderbar, plastisches Weltübungsmodell oder wie ein kulturelles Gerät, an dem man Einflüsse von Breton oder Artaud erfährt – mit lehrhaft surrealistischen Texten – bis hin zu den unermesslichen Jacques Tati oder Pina Bausch. Alles ist sehr postmodern, auf die Verbildlichung einer abscheulichen und aus den Fugen geratenen Welt ausgerichtet.

Poetische Kraft

Eggs on Earth, ein bildnerisches Werk, aufeinander geschichtet wie eine Reihe kurzer, spartanischer und extravaganter Dialoge, sehr dicht am menschlichen Marionettentheater, von tiefer poetischer Kraft und absolut frei von scheinbarem Erzählen und Bedeutungen. Es sind ein anderthalb Stunden lang lebendige, vor einer Klangwand aufgebaute Gemälde, die den Zuschauer auf die Ebene genussvoller und vergnüglicher, plastischer Höhepunkte emporhebt. Allein das unheilvolle Auflauern eines Mr. Fock, der ähnlich wie Gott nervt, unterbricht dies, ohne jemals anwesend zu sein, und den zu suchen sich als absolut zwecklos erweist, was sich als Mc Guffin des Stückes darstellt.

Mit Aufführungen wie dieser verschreibt sich das Teatro Central erneut gelungener und glänzender Aktualität des besten, intuitiven und kosmopolitischen europäischen Theaters der Gegenwart.

 

Juan Maria Rodriguez, 27.01.2003

 

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