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Liechtensteiner Volksblatt

Anaesthesia

Auch ich war in Arkadien

BREGENZ - Zum Gedenken an den Komponisten Georg Friedrich Händel führten die Bregenzer Festspiele mithilfe von Nico and the Navigators und Franui das Musiktheater «Anaesthesia» auf.

Ein Stück auf Improvisation basierend, bei dem nicht jede Bewegung im Drehbuch steht.

Letzten Mittwoch verwandelte sich die Werkstattbühne der Festspiele in Bregenz zu einer Traumlandschaft, bei der die Musik exakt dieselbe Rolle spielte wie das Schauspiel an sich. Die Regiesseurin Nicola Hümpel vereinte die klassische Musik von Händel mit freiem Schauspiel und schuf so eine gemeinsame Basis für Schauspieler und Musiker. Eine musikalische Flussfahrt mit viel Gefühl und Ausdruck.

Mittelalter des 21. Jahrhunderts

Die Bühne schlicht bedeckt mit Vorhang vor dem Ensemble und zwei Gängen zum Publikumsraum bereiteten genug Platz für die acht Charaktere. Jeder und jede einer eigenen kulturellen Herkunft zugehörend, werden groteske und gleich komische Texte in Deutsch, Englisch, Italienisch, Japanisch und Französisch durcheinandergeworfen und bezaubern und verwirren die Zuschauer im selben Moment. Eine sehr bewegliche Japanerin tanzt durch das Bild, während ein unscheinbarer blonder Jüngling die schönsten Arien singt. Die Geschichte, die gar keine sein soll, wird von einem legeren Herrn mit schönem britischem Akzent erzählt und lässt in gewissen Momenten kein Auge trocken. Die Kostüme, die den Schauspielern und Musikern einen einzigartigen Ausdruck verleihen, lassen Raum für Träume und Sehnsucht. Die Musik bedient sich der Technik des Pasticcios - einem Modell, von dem Händel als Londoner Opernunternehmer mehrfach selbst Gebrauch gemacht hat: Hits aus Erfolgsstücken - Opern und Oratorien - werden zu einem neuen Stück zusammengebastelt.

Wie viel Vergangenheit ist noch Wirklichkeit? Das Stück wirft viele Fragen auf, unter anderem auch jene, wie viel Vergangenheit ist noch Wirklichkeit? Dank der unkonventionellen Art der Vortragskunst des Schauspiels hat der Kitsch keinen Platz und lässt genügend Raum, den Zuschauer selbst entscheiden zu lassen.

17.08.2009

 

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