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Force & Freedom

Force and Freedom

Ein digitales Krisen-Tagebuch im Beethoven-Jahr

© Yui Kawaguchi

„Muss es sein? Es muss sein!“ Diese Botschaft, die Ludwig van Beethoven dem vierten Satz seines Streichquartetts op. 135 eingeschrieben hat, war einer der Ansätze unserer Arbeit für ein Projekt zum 250. Geburtstag des Komponisten. Gemeinsam mit dem Kuss-Quartett wollten Nico and the Navigators ein Stück unter dem Titel „Force & Freedom“ entwickeln – ein Staged Concert, das die Musik in das Spannungsfeld zwischen äußeren Zwängen und innerer Freiheit stellt, in dem sich Beethoven zeitlebens bewegen und behaupten musste.

Kurz nach dem Beginn der intensiven, ebenso poetisch wie politisch geprägten Vorbereitungen aber hat das Motto eine zuvor unvorstellbare Aktualisierung erfahren, die unserer Phantasie von der Wirklichkeit diktiert worden ist: Am 18. März mussten die Proben in den Berliner Ufer-Studios abgebrochen werden, die Uraufführung am 1. Mai ist zusammen mit den gesamten Schwetzinger Festspielen abgesagt.


Dem Zwang zur Vereinzelung, der sich aus der Corona-Epidemie ergibt und zahllose Menschen so hart wie uns selber trifft, können wir nur durch kreative Freiheit begegnen, wenn wir nicht in Resignation verfallen wollen. Wo wir aber normalerweise auf die Interaktion mit unseren Partnern und die Reaktion unseres Publikums angewiesen sind, müssen wir nun aus der Isolation heraus handeln. Daher suchen wir Fluchtpunkte und Freiräume, die aus der analogen in die digitale Welt führen: Anfang April haben Nico and the Navigators gemeinsam mit ihren musikalischen Partnern ein Internet-Projekt ins Leben gerufen, das auf der Arbeit an „Force & Freedom“ basiert und neben den dort gestellten Fragen auch die aktuellen Beschränkungen unseres Lebens verhandelt. In kurzen, schnellen oder meditativen Clips, denen die wunderbare – und in der Covid-Krise veröffentlichte – Einspielung aller Beethoven-Quartette durch das Kuss-Quartett zu Grunde liegt, werden individuelle Miniaturen der Performer zusammengefügt, die als wachsendes Tagebuch kleine Erinnerungen an unsere gemeinsame Gegenwart in der Vereinzelung speichern. Damit erproben wir eine Technik jenseits des gewohnten Streamings: Die Wahl der Stücke und der Schnitt der Szenen setzen die Momentaufnahmen in einen Zusammenhang und entwickeln aus Fragmenten eine Inszenierung.

Auch wenn dieser fortlaufende Prozess unserer erprobten Methode der angeleiteten Improvisation nicht unähnlich ist, kann er das Gemeinschaftserlebnis vieler Menschen in der Kunst natürlich nicht ersetzen. Daher beschreibt die Arbeit auch die Sehnsucht des Einzelnen nach dem Anderen, die wir als bleibende Erfahrung aus dieser Krise mitnehmen sollten. Beethovens „Heiliger Dankgesang“, der ebenfalls Gegenstand unserer ursprünglichen Arbeit war, erzählt von neuer Zuversicht nach überstandener Krankheit. Auf solche äußere Befreiung, in der innerer Zwang zur Kunst wieder gemeinsam gelebt werden kann, hoffen wir – und setzen daher unseren Zyklus als „Work in Progress“ mit Musik, Tanz, Gesagtem und Gesungenem bis zum ursprünglichen Premierentermin am 1. Mai täglich fort. Die einzelnen Schritte kann man bereits jetzt auf Facebook, Instagram oder Vimeo und im Web verfolgen.

Am Ziel dieses Weges wartet ein außergewöhnliches Memoryspiel, dessen Teile aus den insgesamt 29 Clips ausgewählt und zusammengefügt werden können.
Bei richtiger Auflösung können Karten für künftige Aufführungen von „Force & Freedom“ gewonnen werden. So entwickelt sich ein freies Spiel, bei dem freilich klare Regeln gelten. Muss es sein? Es muss sein! 

Unser Videotagebuch ist über folgende Kanäle erreichbar:

Unter diesem Link sind alle bisherigen Clips zu finden: tagebuch.navigators.de
Facebook: facebook.com/nicoandthenavigators
Instagram: instagram.com/nico_and_the_navigators/
Vimeo: vimeo.com/channels/forceandfreedom

Unter diesem Link können alle Experten und Follower bei unserem tricky Beethoven-Video-Memoryspiel Karten für 2021 gewinnen: memory-schwetzingen.web.app/

 

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